Zurück zu ErfahrungsberichteErfahrungsberichte

Zurück nach Deutschland – und was ich dabei gelernt habe

Ich bin ausgewandert, 4 Jahre geblieben, und dann zurückgekommen. Was ich mitgebracht habe, was ich anders sehe und warum die Rückkehr manchmal schwerer ist als das Auswandern.

·ca. 3 Min. Lesezeit
RückkehrRepatriierungErfahrungDeutschlandPerspektive

Zurückkehren ist nicht das Gleiche wie ankommen. Man kommt in ein Land zurück, das man zu kennen glaubt – und merkt, dass es sich verändert hat. Und man selbst auch.

Warum ich zurückgekommen bin

Es war kein Scheitern. Das ist wichtig zu sagen, weil die meisten, wenn sie hören „du bist zurückgekommen", sofort fragen: „Hat es nicht geklappt?"

Es hatte geklappt. Vier Jahre Portugal, davon zwei im NHR-Regime. Schöne Wohnung in Lissabon, funktionierendes Sozialleben, Arbeit, die gut lief. Und trotzdem kam der Punkt, an dem ich merkte: Ich will zurück.

Der Hauptgrund: meine Mutter wurde krank. Nicht lebensbedrohlich, aber genug, dass ich die Distanz nicht mehr ertragen konnte. Und als ich anfing, Heimflüge häufiger zu buchen, wurde mir klar, dass das der eigentliche Kompass war.

Was mich überraschte

Deutschland fühlte sich fremd an.

Das klingt seltsam. Ich bin in Deutschland aufgewachsen, 32 Jahre lang. Und dann, nach 4 Jahren in Lissabon, war ich irritiert von den Supermärkten, die um 20 Uhr schließen, von der Kälte im Oktober, vom Schweigen in der U-Bahn, von der Bürokratie-Mühle, die mich sofort wieder einholt.

Das nennt man Reentry-Schock. Er ist real und unterschätzt.

Die Freunde waren nicht mehr die gleichen.

Nicht im schlechten Sinn. Sie hatten Kinder bekommen, waren umgezogen, hatten andere Prioritäten. Das Leben zu Hause ist weitergelaufen. Ich war 4 Jahre draußen. Der Anschluss funktioniert nicht einfach so.

Was ich mitgebracht hatte

Eine andere Perspektive auf Deutschland. Nicht besser oder schlechter – anders.

Nach 4 Jahren im Ausland sieht man, was Deutschland gut macht: das soziale Netz, die medizinische Versorgung, die Infrastruktur (lacht nicht – verglichen mit Portugal), die Verlässlichkeit von Institutionen.

Und man sieht deutlicher, was Deutschland nervt: die Bürokratie ist objektiv schlechter als in Portugal. Die Mentalität ist schwerer und verschlossener. Das Wetter ist, nun ja, das Wetter.

Aber Spanien, Portugal – diese Länder haben auch Schwächen. Niedrigere Löhne (wenn man lokal arbeitet). Wohnungsmarkt in den Städten explodiert. Bürokratie funktioniert nur anders, nicht unbedingt besser.

Der Umzugsprozess zurück

Praktisch ist die Rückkehr oft einfacher als der Wegzug:

  • Wohnsitz anmelden: Wie immer, Einwohnermeldeamt, kein Problem
  • Krankenversicherung: Zurück in die GKV, da ich nicht länger als 10 Jahre privat war, gab es keine Probleme
  • Rentenversicherung: Auslandszeiten können unter Umständen angerechnet werden – Deutsche Rentenversicherung kontaktieren
  • Bank: DKB-Konto war noch aktiv

Was komplizierter war: Steuern. Ich hatte NHR in Portugal genutzt und musste das sauber abwickeln. Steuerberater mit Kenntnissen in portugiesisch-deutschem Recht ist dabei essenziell.

Was ich anderen Rückkehrern sagen würde

Die Rückkehr ist nicht das Ende einer Geschichte. Es ist der Beginn einer anderen Perspektive.

Man kehrt nicht als der Mensch zurück, der gegangen ist. Das ist das eigentliche Geschenk des Auswanderns – nicht die Steuersparnis, nicht das Wetter, nicht die günstigere Miete. Sondern der Vergleich. Die Möglichkeit, das eigene Land von außen zu sehen.

Ich bin froh, dass ich gegangen bin. Ich bin froh, dass ich zurückgekommen bin. Beides war richtig – zu dem jeweiligen Zeitpunkt.

Das mag sich widersprüchlich anfühlen. Ist es aber nicht. Es ist das Ergebnis einer Entscheidung, die man immer wieder neu treffen kann.

Häufige Fragen

Wie viele Auswanderer kommen nach Deutschland zurück?

Schätzungen zufolge kehren 30–40% der deutschen Auswanderer innerhalb von 5–10 Jahren zurück. Gründe: Familie, Heimweh, veränderte Lebensumstände (Kinder, Krankheit), enttäuschte Erwartungen im Ausland oder veränderte Prioritäten. Solche Rückkehr-Geschichten gehören zum Kern dessen, was der Abwanderungsmonitor mit seinen Erfahrungsberichten sichtbar machen will.

Was müssen Rückkehrer in Deutschland regeln?

Wichtigste Schritte bei der Rückkehr: Wohnsitz anmelden (Einwohnermeldeamt), Krankenversicherung reaktivieren oder neu abschließen (GKV-Rückkehr nach Abwesenheit möglich), Rentenkonto prüfen (Deutsche Rentenversicherung), Steuer-ID reaktivieren. Bankkonto ist meist noch vorhanden, bei Direktbanken oft problemlos. Mehr zu den praktischen Schritten der Rückkehr auch in den weiteren Ratgebern des Abwanderungsmonitors.

Anonyme, nicht repräsentative Erhebung · Abwanderungsmonitor Deutschland