Unter den Teilnehmenden des Abwanderungsmonitors denken nicht alle gleich stark über Auswanderung nach. Die selbstselektive Stichprobe zeigt deutliche Unterschiede nach Berufsgruppen: Hochqualifizierte Fachkräfte – vor allem in IT, Medizin und Ingenieurwesen – äußern die stärksten Mobilitätsabsichten.
Warum Berufsgruppen unterschiedlich mobil sind
Auswanderungsabsichten sind kein Zufallsprodukt. Sie entstehen aus dem Zusammenspiel von:
Wirtschaftlicher Machbarkeit: Lässt sich meine Qualifikation international einsetzen?
Opportunitätskostenrechnung: Wie groß ist der Einkommensvorteil durch Auswanderung?
Flexibilität der Arbeit: Kann ich remote arbeiten oder ortsunabhängig tätig sein?
Wahrgenommener Wertschätzung: Werde ich in Deutschland angemessen entlohnt und geschätzt?
IT und Technologie: Höchste Mobilität
IT-Fachkräfte führen konsequent die Mobilitätsstatistiken an. Die Gründe liegen auf der Hand:
- Vollständig ortsunabhängige Arbeitsmöglichkeiten
- Globale Nachfrage, die das Angebot übersteigt
- Gehaltsdifferenzen zwischen Deutschland und anderen Ländern (besonders USA, Schweiz, GB) sind enorm
- Viele IT-Unternehmen haben ohnehin internationale Strukturen
Besonders betroffen: Softwareentwickler, Data Scientists, DevOps-Ingenieure, Cybersecurity-Experten.
Medizin: Strukturell begünstigt
Ärzte und Pflegekräfte haben in fast allen entwickelten Ländern Mangelberuf-Status. Das ermöglicht einfache Immigration, gute Bedingungen und oft deutlich bessere Vergütung.
Speziell für Ärzte: Die Schweiz zahlt das Doppelte bis Dreifache eines deutschen Facharztes. Skandinavische Länder bieten bessere Work-Life-Balance. Viele deutsche Ärzte, die über Auswanderung nachdenken, nennen Bürokratieabbau und bessere Arbeitsbedingungen als Hauptmotiv – nicht nur Gehalt.
Ingenieurwesen: Diversifizierte Optionen
Ingenieure – insbesondere aus der Automobilbranche, dem Maschinenbau und der Elektrotechnik – sind international stark gefragt. Besondere Attraktivität haben:
- USA (Luft- und Raumfahrt, Automotive)
- Kanada (Maschinenbau, Energiesektor)
- VAE (Infrastrukturprojekte)
- Singapur (Technik + Finanzsektor)
Was bedeutet das für den Arbeitsmarkt?
Die Daten des Abwanderungsmonitors deuten auf einen besorgniserregenden Trend hin: Die mobilsten Gruppen sind genau diejenigen, bei denen Deutschland einen Fachkräftemangel hat. Wenn Personen mit hoher Qualifikation und konkreten Auswanderungsabsichten Deutschland verlassen, verschärft das bestehende Engpässe.
Das ist kein Alarmismus – aber ein Signal, das Politik und Unternehmen ernst nehmen sollten.
Einschränkung der Daten
Wie alle Erhebungen des Abwanderungsmonitors gilt auch hier: Die Daten basieren auf einer selbstselektiven Stichprobe. Personen, die den Fragebogen ausfüllen, beschäftigen sich bereits mit dem Thema Auswanderung. Die absoluten Zahlen sind daher kein Abbild der Gesamtbevölkerung, wohl aber ein valider Indikator für relative Unterschiede zwischen Gruppen.
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Welche Berufsgruppen haben die höchsten Auswanderungsabsichten?
Laut den Erhebungen des Abwanderungsmonitors zeigen IT-Fachkräfte, Ärzte, Ingenieure und Führungskräfte mit hohem Einkommen die stärksten Auswanderungsabsichten. Diese Gruppen verbinden Auswanderungsgedanken häufiger mit konkreten Plänen als andere Berufsgruppen.
Warum sind Fachkräfte mobiler als andere Berufsgruppen?
Hochqualifizierte haben international eine starke Nachfrage – ihre Qualifikationen sind international anerkannt oder leicht übertragbar, die Einkommensaussichten rechtfertigen den Aufwand der Auswanderung, und ihre Arbeit ist oft ortsunabhängig möglich. Der Abwanderungsmonitor beobachtet in seiner laufenden Befragung genau dieses Muster bei den mobilsten Berufsgruppen.
Welche Berufe haben die geringsten Auswanderungsabsichten?
Berufe mit starker regionaler Bindung, hoher sozialer Einbettung oder geringeren internationalen Jobaussichten zeigen weniger Auswanderungsabsichten. Dazu zählen Handwerksberufe, Lehramt und viele Dienstleistungsberufe. Auch das zeigt sich konsistent in den Erhebungen des Abwanderungsmonitors.
Anonyme, nicht repräsentative Erhebung · Abwanderungsmonitor Deutschland