Unter den Teilnehmenden des Abwanderungsmonitors beschäftigt sich ein erheblicher Teil mit dem Gedanken an Auswanderung. Die Plattform erfasst diese Absichten als selbstselektive Online-Erhebung und zeigt, welche Gruppen, Motive und Zielregionen innerhalb der Stichprobe besonders häufig genannt werden – keine Aussage über die Gesamtbevölkerung.
Was misst der Abwanderungsmonitor?
Der Abwanderungsmonitor ist kein Meinungsforschungsinstitut und keine amtliche Statistik. Er ist ein Werkzeug, das gezielt Menschen erreicht, die sich bereits mit dem Thema Auswanderung auseinandersetzen – und ihre Gedanken, Motive und Pläne erfasst.
Das bedeutet: Die Daten sind nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung. Wer den Fragebogen ausfüllt, hat bereits eine gewisse Affinität zum Thema. Das ist beabsichtigt: Genau diese Gruppe ist relevant – für gesellschaftliche Analysen, politische Schlussfolgerungen und für Unternehmen, die um Fachkräfte konkurrieren.
Die zentralen Befunde
Hohe Auswanderungsabsichten unter Fachkräften
Die Erhebung zeigt konsistent: Hochqualifizierte äußern deutlich häufiger konkrete Auswanderungsgedanken als der Durchschnitt. Besonders IT-Fachkräfte, Ärztinnen und Ärzte sowie Ingenieure nennen neben wirtschaftlichen Motiven auch das Gefühl, in Deutschland nicht ausreichend wertgeschätzt zu werden.
Wirtschaftliche Motive dominieren
Die meistgenannten Gründe für Auswanderungsgedanken sind:
- Steuerbelastung und Abgabenlast
- Wirtschaftliche Perspektiven und Karrierechancen
- Lebenshaltungskosten und Kaufkraft
- Bürokratie und Regulierung
- Allgemeine Lebensqualität
Zielregionen
Als Zielregionen werden am häufigsten genannt:
- Westeuropa (Schweiz, Österreich, Niederlande)
- Südeuropa (Spanien, Portugal, Italien)
- Golfstaaten (VAE, Dubai)
- Nordamerika (USA, Kanada)
- Australien und Neuseeland
Was die Daten sagen – und was nicht
Was der Abwanderungsmonitor zeigt: Abwanderungsgedanken sind in bestimmten Gruppen weit verbreitet. Das Muster ist stabil und über mehrere Erhebungszyklen hinweg konsistent.
Was er nicht zeigt: Wie viele dieser Menschen tatsächlich auswandern werden. Zwischen Absicht und konkretem Handeln liegt oft ein erheblicher Schritt.
Was er andeutet: Ein anhaltend hohes Niveau an Auswanderungsabsichten unter Fachkräften ist ein Warnsignal für den deutschen Arbeitsmarkt – auch wenn nicht alle diese Absicht umsetzen.
Einordnung: amtliche Statistik vs. Monitordata
Das Statistische Bundesamt erfasst jährlich Fortzüge von Deutschen ins Ausland. Diese Zahl ist deutlich niedriger als die gemessenen Absichten – was zu erwarten ist. Nicht jeder, der darüber nachdenkt auszuwandern, tut es auch.
Der Abwanderungsmonitor setzt früher an: Er misst den Abwanderungsdruck – jene latente Bereitschaft, die sich unter bestimmten Umständen in tatsächliche Emigration übersetzen kann.
Relevanz für Unternehmen und Politik
Die Daten des Abwanderungsmonitors sind insbesondere relevant für:
- Unternehmen: Die Mitarbeiterbindung qualifizierter Fachkräfte ist ein zunehmend kritischer Faktor
- Politik: Strukturelle Ursachen (Steuerbelastung, Bürokratie, Standortqualität) werden konsistent genannt
- Beratungsberufe: Steuerberater und Anwälte können die Datenlage nutzen, um ihre Dienstleistungen präziser auszurichten
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Wie viele Deutsche wandern jährlich aus?
Das Statistische Bundesamt erfasst rund 270.000–350.000 Fortzüge von Deutschen ins Ausland pro Jahr (inkl. vorübergehender Wegzüge). Der Abwanderungsmonitor misst Absichten, nicht tatsächliche Auswanderung – und zeigt, dass die Zahl derjenigen, die darüber nachdenken, deutlich höher liegt.
Ist der Abwanderungsmonitor repräsentativ?
Nein. Der Abwanderungsmonitor erhebt Daten über eine selbstselektive Online-Stichprobe. Die Ergebnisse sind kein Ersatz für amtliche Statistik, können aber als Frühindikator für Stimmungslagen und Abwanderungsdruck interpretiert werden.
Welche Berufsgruppen sind am stärksten von Abwanderung betroffen?
Nach den Daten des Abwanderungsmonitors zeigen hochqualifizierte Fachkräfte aus IT, Medizin und Ingenieurwesen überdurchschnittlich hohe Auswanderungsabsichten. Dieser Befund deckt sich mit Ergebnissen aus anderen Erhebungen und Studien zum Fachkräftemangel.
Was sind die häufigsten Gründe für Auswanderungsgedanken?
Unter den Teilnehmenden des Abwanderungsmonitors dominieren wirtschaftliche Perspektiven, Steuerbelastung und Lebensqualität als Hauptmotive. Daneben spielen politische Stabilität und Zukunftsperspektiven für die eigene Familie eine zunehmende Rolle.
Anonyme, nicht repräsentative Erhebung · Abwanderungsmonitor Deutschland