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Auswanderung nach Alter – wer wandert wann aus?

In welchem Lebensalter denken Menschen am häufigsten über Auswanderung nach? Der Abwanderungsmonitor zeigt klare Muster innerhalb seiner Stichprobe: Alter beeinflusst Zielland, Motive und Rückkehrwahrscheinlichkeit.

·ca. 3 Min. Lesezeit
AlterAuswanderungDatenDemografieLebensphase

Alter ist innerhalb der Erhebung des Abwanderungsmonitors einer der stärksten Prädiktoren für Auswanderungsmuster. Wer sich mit Auswanderung beschäftigt, in welches Land und mit welcher Rückkehrabsicht – all das hängt bei den Teilnehmenden stark mit der Lebensphase zusammen. Die selbstselektive Stichprobe zeigt drei klar unterscheidbare Auswanderungsphasen.

Drei Auswanderungsphasen nach Alter

Phase 1: Der Einstieg (20–30 Jahre)

Die Gruppe der 20- bis 30-Jährigen ist die mobilste. Sie verfügen über einen abgeschlossenen Abschluss, keine oder wenig familiäre Verpflichtungen, hohe Risikobereitschaft und oft einen Remote-Job oder den Wunsch nach internationalem Berufseinstieg.

Typische Ziele: London, Amsterdam, Zürich, Barcelona, Lissabon – oft als Arbeitsmigranten mit lokalen Verträgen.

Charakter der Auswanderung: Häufig befristet, ergebnisoffen. Viele planen explizit, mehrere Jahre im Ausland zu verbringen, ohne langfristige Entscheidung zu treffen.

Rückkehrquote: Hoch. Ein erheblicher Anteil kehrt nach 2–5 Jahren zurück – aus familiären Gründen, wegen Partnerschaft oder weil das Ausland nicht den Erwartungen entsprach.

Phase 2: Die strategische Auswanderung (30–45 Jahre)

Diese Gruppe wandert bewusster aus. Sie haben oft bereits eine Familie oder Partner, verfügen über höheres Einkommen und haben spezifische Gründe für den Wegzug.

Häufigste Motive in dieser Phase:

  • Karrieremöglichkeiten, die in Deutschland nicht vorhanden sind (insbesondere USA, Schweiz)
  • Steuerliche Optimierung bei selbstständigen Hochverdienern
  • Lebensqualität und Klima für die Familie
  • Remote-Work-Möglichkeiten, die geografische Flexibilität ermöglichen

Typische Ziele: USA (für IT und Finance), Schweiz (Gehalt), Spanien und Portugal (Lebensqualität + Klima), Dubai (Steuern).

Charakter der Auswanderung: Oft dauerhafter geplant, mit konkretem Lebensentwurf. Häufiger vollständige Ummeldung, Wohnung aufgegeben, Kinder werden im Ausland eingeschult.

Phase 3: Die Ruhestandsmigration (50+ Jahre)

Die älteste Auswanderergruppe ist zugleich die am stärksten wachsende. Rentner und Vorruheständler verlegen ihren Wohnsitz ins Ausland – oft dauerhaft und mit konkreter Finanzplanung.

Dominante Motive:

  • Klima (überwältigend häufig bei dieser Gruppe)
  • Günstigere Lebenshaltungskosten
  • Steuerliche Aspekte der Rente
  • Neuer Lebensabschnitt nach Berufsleben

Typische Ziele: Spanien (Mallorca, Costa del Sol), Portugal (Algarve), Österreich, Schweiz für Nahe-Deutschland-Gewohnte.

Charakter der Auswanderung: Dauerhaft geplant, niedrige Rückkehrquote. Oft werden Immobilien in Deutschland behalten (als Kapitalanlage oder Rückfalloption).

Alter und Rückkehrabsicht

Ein klares Muster aus den Daten des Abwanderungsmonitors: Mit steigendem Auswanderungsalter sinkt die Rückkehrabsicht.

AltersgruppeRückkehrabsicht (Tendenz)
20–30Hoch – oft explizit befristet
30–45Mittel – abhängig von Familienplanung
45–55Niedrig – oft strategische Endentscheidung
55+Sehr niedrig – Ruhestandsmigration meist final

Alter und Ziellandwahl

Das Alter beeinflusst auch stark, wohin ausgewandert wird:

Jüngere Auswanderer (20–35) wählen häufiger wirtschaftsstarke Länder mit Jobmarkt: Schweiz, UK, Niederlande, USA.

Mittlere Altersgruppe (35–50) diversifiziert stärker: Neben wirtschaftlichen Zielen spielen Lebensqualität und Steueroptimierung eine größere Rolle. Dubai und Spanien gewinnen an Bedeutung.

Ältere Auswanderer (50+) priorisieren Klima, Kosten und Lebensqualität: Spanien und Portugal dominieren, gefolgt von Österreich und der Schweiz für Nähe zu Familie.

Was das für den deutschen Arbeitsmarkt bedeutet

Die Konzentration der Auswanderung in der Altersgruppe 30–45 ist volkswirtschaftlich besonders relevant. Das ist genau jene Gruppe, die:

  • Auf dem Höhepunkt ihrer Produktivität steht
  • Die höchsten Steuern und Sozialabgaben zahlt
  • In vielen Branchen den Fachkräftekern bildet

Wenn diese Gruppe überdurchschnittlich häufig Auswanderungsabsichten hegt und teilweise umsetzt, sind die Folgen für den Fachkräftemarkt und das Steueraufkommen mittelfristig spürbar.

Der Abwanderungsmonitor misst genau diesen Abwanderungsdruck – nicht als amtliche Statistik, sondern als Frühindikator für eine latente Mobilitätsbereitschaft, die sich unter bestimmten Bedingungen in reale Auswanderung übersetzen kann.

Einschränkung der Daten

Wie alle Erhebungen des Abwanderungsmonitors basieren auch die Altersmuster auf einer selbstselektiven Stichprobe. Teilnehmende haben sich bereits mit dem Thema Auswanderung auseinandergesetzt, bevor sie den Fragebogen ausfüllen. Die Altersverteilung und die beschriebenen Phasen sind deshalb kein Abbild der Gesamtbevölkerung, wohl aber ein valider Indikator für relative Unterschiede zwischen Altersgruppen innerhalb der Stichprobe.

Häufige Fragen

In welchem Alter wandern die meisten Deutschen aus?

Die höchste Auswanderungsintensität zeigt sich in der Altersgruppe 25–35 Jahre. Diese Gruppe kombiniert ausreichend Qualifikation, fehlende familiäre Bindungen und hohe Risikobereitschaft. Eine zweite Welle zeigt sich um 50+, wenn Kinder aus dem Haus sind und die Pensionierung in Sicht kommt. Nach den Daten des Abwanderungsmonitors treten diese beiden Wellen konsistent auf.

Kehren Jüngere häufiger zurück als Ältere?

Tendenziell ja. Junge Auswanderer (20–30) probieren es oft aus – Rückkehrquoten nach 3–5 Jahren sind hoch. Ältere Auswanderer (50+), die konkret in die Rente planen, kehren seltener zurück. Der Abwanderungsmonitor zeigt, dass Rückkehrabsichten mit steigendem Auswanderungsalter sinken.

Warum wandern Menschen über 50 aus?

Häufigste Motive bei 50+: Klimawunsch (vor allem Spanien, Portugal, Mallorca), niedrigere Lebenshaltungskosten im Ruhestand, Steueroptimierung bei Kapitaleinkommen, und der Wunsch nach einem Neustart nach dem Berufsleben. Rentner müssen nicht mehr im Zielland arbeiten – was die Visumsfrage vereinfacht. Diese Rangfolge der Motive deckt sich mit den Angaben der Teilnehmenden des Abwanderungsmonitors in dieser Altersgruppe.

Ist Auswandern im Rentenalter steuerlich sinnvoll?

Das hängt stark von der individuellen Situation ab. Deutschlandrenten werden unter bestimmten Voraussetzungen im Wohnsitzland besteuert, was in Niedrigsteuerländern Vorteile bringen kann. Die erweiterte beschränkte Steuerpflicht greift in der Regel nicht bei Rentnern ohne wesentliche wirtschaftliche Bindungen an Deutschland. Mehr Kontext zu den steuerlichen Motiven von Ruhestandsauswanderern bietet der Abwanderungsmonitor im Datenbereich.

Anonyme, nicht repräsentative Erhebung · Abwanderungsmonitor Deutschland