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Auswanderung nach Einkommen – wer wandert aus und warum?

Innerhalb der Stichprobe des Abwanderungsmonitors sind Auswanderungsabsichten nicht gleichmäßig über alle Einkommensgruppen verteilt. Wer verdient mehr, wer hat realistische Chancen – und was treibt welche Gruppe an?

·ca. 3 Min. Lesezeit
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Einkommen ist innerhalb der Erhebung des Abwanderungsmonitors einer der stärksten Prädiktoren für Auswanderungsabsichten – aber nicht so, wie viele vermuten. Unter den Teilnehmenden sind es nicht nur die Höchstverdienenden, die auswandern wollen: Die Mittelschicht mit überdurchschnittlichem Einkommen zeigt in der Stichprobe den stärksten Abwanderungsdruck.

Das Einkommens-Paradox

Auf den ersten Blick könnte man annehmen: Arme wollen weg, weil es ihnen in Deutschland nicht gut geht. Reiche bleiben, weil sie vom Sozialsystem profitieren.

Die Daten zeigen ein anderes Bild.

Die stärksten Auswanderungsabsichten finden sich in der Gruppe mit hohem, aber nicht außergewöhnlichem Einkommen: Fachkräfte mit 60.000–150.000 EUR Jahreseinkommen, also jene, die genug verdienen um ernsthaft über Alternativen nachzudenken – und gleichzeitig das Gefühl haben, dass ein großer Teil davon an Steuern und Abgaben verloren geht.

Auswanderungsabsichten nach Einkommensgruppe

EinkommensgruppeHäufigste MotiveTypisches Zielland
Unter 30.000 EUR/JahrPerspektiven, GehaltSchweiz, Österreich
30.000–60.000 EUR/JahrLebensqualität, KlimaSpanien, Portugal
60.000–100.000 EUR/JahrSteuern, Kaufkraft, PerspektivenSchweiz, Dubai, USA
100.000–200.000 EUR/JahrSteuern, VermögensaufbauDubai, Schweiz, USA
Über 200.000 EUR/JahrSteueroptimierung, VermögensschutzDubai, Monaco, Schweiz

Die mittlere Einkommensgruppe: Der größte Abwanderungsdruck

Die Gruppe zwischen 60.000 und 150.000 EUR Jahreseinkommen ist besonders auffällig. Das sind in der Regel:

  • Senior-Fachkräfte in IT, Ingenieurwesen, Medizin
  • Selbstständige und Freiberufler
  • Führungskräfte mittlerer Ebene

Was diese Gruppe eint:

  • Sie zahlen den Spitzensteuersatz oder nähern sich ihm
  • Sie erhalten wenig direkten Nutzen vom Sozialsystem
  • Sie haben Qualifikationen, die international gefragt sind
  • Sie können sich einen Umzug finanziell leisten

Der Abwanderungsmonitor zeigt in dieser Gruppe überdurchschnittlich konkrete Auswanderungsabsichten – keine vagen Träumereien, sondern Szenarien, Länderrecherchen und teilweise bereits konkrete Schritte.

Was Hochverdiener bewegt: Steuern und Vermögensaufbau

Bei Einkommen über 150.000 EUR treten steuerliche Motive sehr stark in den Vordergrund. In Deutschland gilt:

  • Spitzensteuersatz von 42% ab ca. 67.000 EUR zu versteuerndem Einkommen
  • Solidaritätszuschlag für Hochverdiener
  • Kirchensteuer (für Kirchenmitglieder)
  • Hohe Sozialabgaben bis zur Beitragsbemessungsgrenze

Im Vergleich:

  • Dubai: 0% Einkommensteuer
  • Schweiz (Zug, Schwyz): effektiv 20–25% Gesamtbelastung
  • Portugal (NHR/neues Programm): pauschale Regelungen
  • Spanien (Beckham-Law): 24% pauschaler Steuersatz für qualifizierte Einwanderer

Wer in Deutschland 200.000 EUR verdient, zahlt ca. 90.000–100.000 EUR Steuern und Abgaben. In Dubai wären es null, in der Schweiz (Kanton Zug) ca. 45.000–55.000 EUR. Die absolute Differenz ist erheblich.

Die spezielle Situation von Unternehmern

Für GmbH-Gesellschafter, Unternehmer und Personen mit größeren Aktienpaketen kommt ein weiterer Faktor hinzu: die Wegzugsteuer.

Wer Anteile an einer deutschen Kapitalgesellschaft von mindestens 1% hält, muss beim Wegzug ins Ausland einen fiktiven Veräußerungsgewinn versteuern – auch ohne tatsächlichen Verkauf. Das kann je nach Unternehmenswert eine erhebliche Steuerbelastung bedeuten.

Deshalb planen Unternehmer ihre Auswanderung oft frühzeitiger und mit mehr steuerlicher Beratung als Angestellte.

Einkommensniedrigere Gruppen: andere Motive

Wer weniger als 40.000 EUR verdient, denkt aus ganz anderen Gründen ans Auswandern:

  • Kaufkraft: Das gleiche Einkommen kauft in Spanien oder Portugal deutlich mehr Lebensqualität
  • Gehalt: Schweiz und Österreich zahlen für viele Berufe deutlich mehr
  • Perspektiven: In manchen Regionen und Branchen sehen Menschen schlicht weniger Aufstiegschancen in Deutschland

Diese Gruppe hat oft weniger Möglichkeiten, da Visum und Niederlassung im Ausland oft Einkommensnachweise voraussetzen.

Was die Einkommensverteilung für Deutschland bedeutet

Das besorgniserregendste Muster ist nicht, dass Menschen mit niedrigem Einkommen das Land verlassen wollen. Das ist historisch normal.

Besorgniserregend ist, dass der stärkste Abwanderungsdruck in der Gruppe liegt, die:

  • Den Großteil der Lohnsteuer zahlt
  • Den Kern des Fachkräftemarkts bildet
  • Qualifikationen hat, die international gefragt sind

Wenn diese Gruppe tatsächlich abwandert – auch nur ein Teil davon – sind die fiskalischen und arbeitsmarktlichen Konsequenzen erheblich. Der Abwanderungsmonitor misst diesen latenten Druck innerhalb seiner Stichprobe als Frühindikator, lange bevor er sich in amtlichen Statistiken niederschlägt.

Einschränkung der Daten

Die hier beschriebenen Muster stammen aus einer selbstselektiven Online-Stichprobe des Abwanderungsmonitors, nicht aus einer repräsentativen Einkommens- oder Bevölkerungsstatistik. Wer den Fragebogen ausfüllt, beschäftigt sich bereits aktiv mit dem Thema Auswanderung. Die Einkommensverteilung und die beschriebenen Motive sind deshalb kein Abbild der Gesamtbevölkerung, wohl aber ein valider Indikator für relative Unterschiede zwischen Einkommensgruppen innerhalb der Stichprobe.

Häufige Fragen

Wandern vor allem Gutverdiener aus Deutschland aus?

Das Bild ist differenzierter. Auswanderungsabsichten sind bei Hochverdienern besonders ausgeprägt – aber aus unterschiedlichen Gründen. Bei sehr hohem Einkommen (100.000+ EUR) spielen Steueroptimierung und Vermögensaufbau eine große Rolle. Bei mittlerem Einkommen dominieren Unzufriedenheit mit Kaufkraft und Perspektiven. Diese Differenzierung nach Einkommensgruppen zeigt sich deutlich in den Daten des Abwanderungsmonitors.

Welches Mindesteinkommen brauche ich, um realistisch auswandern zu können?

Das hängt vom Zielland ab. Für Spanien oder Portugal als Angestellter: ab ca. 2.500–3.500 EUR netto monatlich realistisch. Für Dubai oder die Schweiz mit deutlich höheren Lebenshaltungskosten: eher ab 5.000 EUR netto aufwärts. Selbstständige brauchen zusätzlich Liquiditätsreserven für die Anlaufphase. Mehr Kontext zu den finanziellen Voraussetzungen konkreter Auswanderungspläne bietet der Abwanderungsmonitor im Datenbereich.

Lohnt sich Auswandern steuerlich erst ab einem bestimmten Einkommen?

Rein steuerlich gesehen: Die stärksten Vorteile entstehen ab ca. 100.000 EUR Jahreseinkommen. Darunter ist der absolute Steuervorteil in Niedrigsteuerländern deutlich geringer, während die Kosten und Aufwände des Umzugs gleich bleiben. Bei niedrigem Einkommen sind Lebensqualität und Kaufkraft oft stärkere Motive als Steuerersparnis. Diese Einschätzung stützt sich auf die Erhebung des Abwanderungsmonitors, die genau diesen Zusammenhang zwischen Einkommenshöhe und steuerlicher Motivation zeigt.

Was ist die Wegzugsteuer und wen betrifft sie?

Die Wegzugsteuer (§ 6 AStG) besteuert beim Wegzug den fiktiven Veräußerungsgewinn von Anteilen an Kapitalgesellschaften, wenn die Beteiligung mindestens 1% beträgt. Das betrifft vor allem GmbH-Gesellschafter und Personen mit größeren Aktienpaketen. Bei normalem Arbeitseinkommen ohne Unternehmensbeteiligung ist die Wegzugsteuer kein Thema. Der Abwanderungsmonitor ordnet dieses Thema im Rahmen seiner Erhebung zu den Auswanderungsmotiven von Unternehmern ein.

Anonyme, nicht repräsentative Erhebung · Abwanderungsmonitor Deutschland